Radsport & Doping

Alle haben einmal gefixt. Soweit man in der 100 jährigen Geschichte des Radsports zurückschaut, gibt es Doping. Früher war das Doping eher öffentlich, heute lebt das Doping in der Dunkelheit finsterer Ecken weiter. Ullrich, Zülle, Museeuw, Armstrong, Rominger, Elefantino und .. und, alle, alle haben gefixt und gedopt.
Wie auch immer, es sind nicht nur einzelne Fahrer, sondern das gesamte Umfeld das verseucht ist. Ein grosser Dopingskandal jagt den andern. Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Mehrheit sauber ist und nur einige Fahrer dopen. Das Doping hat System und ist ein Teil des gesamten Systems. Ob Trainer, Betreuer, Therapeut oder Fahrer, alle Beteiligten haben gleichermassen Dreck am Stecken.
Der Radsport-Doping-Komplex, ist ein Moloch, wer mit ihm Berührung kommt, wird angesteckt und am Ende zerstört und aufgefressen.
Nach jedem Dopingskandal gibt es einen Neuanfang, der schon bald wieder vom nächstgrösseren Dopingskandal in den Schatten gestellt wird.
Keiner der aktiv am Radsport beteiligten profitiert vom Doping. Der Fan ist der Betrogene, der sich enttäuscht abwendet. Die Betreuer verlieren ihren Beruf und riskieren sich im Gefängnis wieder zu finden. Der Sponsor riskiert, dass sein Image geschädigt wird. Der Fahrer verliert alles, Job, Gesundheit, Vermögen, Lebenstraum, Ruhm. Ausser einer ruinierten Gesundheit, Schimpf und Schande bleibt dem Fahrer Nichts. Was für den Fahrer besonders schlimm ist, ist das die Siege, die er auf ehrliche Art und Weise errungen hat, wertlos sind.
Es wäre einmal interessant zu wissen, wer vom Doping profitierte. Geht es um Wettbetrug oder organisierte Kriminalität? Spätestens, seit dem mysteriösen Tod von Marco „Elefantino“ Pantani drängt sich eine Beschäftigung mit diesen Fragen auf.
Der einzige Weg um das Doping zu bekämpfen ist die Liquidierung des Radsports in seiner heutigen Form. Eine Idee wäre keine Preisgelder mehr zu bezahlen. Die Fahrer bekommen unabhängig von ihrer Leistung eine grosszügige Vergütung, die es ihnen erlaubt ohne finanzielle Sorgen zu trainieren. Wichtig wäre es, dass alle gleichviel bekommen. So entfällt der finanzielle Anreiz zu Siegen und zu Dopen. Die Fahrer werden für die Show bezahlt. Die spannenden Duelle, Solofluchten, Taktik, Bergankünfte, usw.. haben einen hohen Unterhaltungswert. Davon profitieren die Zuschauer und Sponsoren. Die Sponsoren bezahlen keine Mannschaft mehr, sondern leisten einen Beitrag an die Radsportveranstaltung, der zu gleichen Teilen unter allen TeilnehmerInnen aufgeteilt wird.
Der Fan liebt wegen der Atmosphäre den Radsport. Das Volksfest, das um den Radsportevent stattfindet, ist etwas Einmaliges. Die Mischung aus Leistungsport, Bratwürsten und Viehschau hat einen eigenen Charme. Wer nun genau gewinnt, ist zweitrangig, das Event als solches ist der Zuschauermagnet.
Rennen mit FahrerInnen die aus Liebe zum Sport und zum Velo in die Pedale treten, würden dem Radsport gut tun.
Soviel ist sicher, Radfahren macht an sich schon süchtig, dazu braucht es gar keine Drogen mehr.

Veröffentlicht unter Doping | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Velowege

Mit dem Velo habe ich mich heute, wiedereinmal durch die Luzerner Agglomeration gequält. Wie üblich war es ein fast aussichtsloses Unterfangen, den für VelofahrerInnen korrekten Weg zu finden.
Irgendwo zwischen der Verkehrslawine, gibt es einen schmalen Streifen, der angeblich für Velos reserviert ist. Ohne Logik wechselt der Veloweg, die Strassenseite. Einmal ist er links und ein paar Meter weiter vorne, schon wieder rechts.
Als Velofahrer, ist es fast unmöglich, sich auf der Strasse korrekt zu verhalten. Der Verkehr ist über weite Strecken, chaotisch organisiert. Vergeblich, sucht der mit einem gesunden Menschenverstand begabte Velofahrer, den für ihn vorgesehen Weg. Im tumultartigen Chaos des Strassenverkehrs, ist ein jeder mit dem Überleben beschäftigt. Vor lauter ausweichen, ist es gar nicht möglich, die Verkehrsregeln zu befolgen.
Kein Wunder steigen in diesem Chaos, sobald jemand den Weg kreuzt, die Aggressionen von null auf hundert.
Die Velowege an sich, sind für sich genommen ein Trauerspiel. In der Schweiz kenne ich keinen einzigen Veloweg, der frei von Scherben und Steinen ist. Wenn ein Veloweg, von links und von rechts befahren werden muss, würde man erwarten, dass er richtungsgetrennt ist. Weit gefehlt, nicht einmal das, bringen die Bauingenieure zustande.
Junge Mütter, die ihre Kinderwagen inmitten der Velowege parkieren und ohne nach links oder rechts zu schauen, mit ihrem Natel telefonieren, bringen mich vollends zu Verzweiflung.
GelegenheitsvelofahrerInnen, die ihr Velo nicht beherrschen und sich in Schlangenlinien, über die Velowege quälen, verwandeln eine jede Velotour, vom einem Vergnügen zu einem Horrorerlebnis.

Veröffentlicht unter Velo | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Abenteuer

Den Velofahrer umgibt in den Augen der Leuten ein Nimbus von Leistung und Sportlichkeit. Der Velodress hat einen Touch von Uniform. Habe ich so einen an, treten die sonstigen sozialen Merkmale an mir zurück und ich trage einen Kennmarke die für Leistungswille steht am Körper.
Das hat den schönen Nebeneffekt das ich auch einmal dazu gehöre. Für die Aussenwelt bin ich ein ‘Sportler’ und das ist nun mal in der Leistungsgesellschaft positiv, ich bemerke es daran das Leute zu mir freundlich sind, die sonst mir nicht mal guten Tag sagen würden, bin ich doch sichtbar einer der ‘lieben und netten’ intellektuellen Arschlöcher (O Ton SVP). Aber im Dress bin auf einmal dabei.
Sobald man einen Renndress trägt gilt man bei den anderen Velofahrer als ein Mitglied der Gruppe. In dieser Gruppe gilt als oberstes Prinzip Leistung, auf die Pässe und die Kilometer die man leistet kommt es drauf an und alleine an diesen wird der Status und der Platz in der Rangordnung bemessen.
Gleich wichtig wie die Leistung, ist das sich halten an den Regeln und an die Kameradschaft. Kameradenhilfe steht weit oben in der Skala des sozialen Verhaltens. Genau so sicher ist, das ich untendurch bin wenn ich mich nicht an die Regeln halte, nur Windschatten fahre und nie führe, andere abdränge, keine Pannenhilfe leiste usw. Der Aspekt der sozialen Gleichheit unter den Radfahrer ist etwas was mich sehr reizt am Velofahren, ist es doch ein mal Urlaub von meiner sozialen Schicht.
Auf dem Velo ist man ungeschützt und offen der Umwelt preisgeben. Das hat den Nachteil das man schutzlos den Elementen und der Gefahr durch den dichten Verkehr preisgegeben ist. Dem aber steht der grosse Vorteil entgegensteht das alle Eindrücke frisch und intensiv auf Körper und Seele wirken können. Alle die schönen sonnigen Tage in der warme Jahreshälfte erzeugen beim fahren im Körper wohl befinden und in der Seele Genuss und intensive Freude am Leben.
Es ist eines der grösste Gefühle wenn es am Abend kühl wird, die Luft von der Geschichte des Tages duftet, leicht und beschwingt in die Nacht zu fahren. Es entsteht das Gefühl von Beschwingtheit und Macht. Ich gleitet wie entrückt vorwärts weiter und weiter und spürt wie jede Bewegung mir der Pedale unmittelbar das Rad gleiten lässt und mich weiter bringt. Die Sensibilität des Fahrrades bringt es mit sich, das jede Bewegung sogleich spürbar wird. Man ist zugleich Herr und Spiegel seiner selbst.
Ein Fahrrad besteht aus sehr wenig Material, je weniger dran ist, umso teurer und kostbarer ist es. Obwohl wenig dran ist, kommt man damit schon sehr weit und schnell vorwärts. Das die eigene Bewegung meines Körpers soviel Kraft und Tempo erzeugen kann lässt in meiner Seele Hoch-, und Machtgefühle entstehen. Dadurch das dass Velo so schmal ist kann ich immer durch die Lücken fahren, Autokolonnen von der Seite her überholen. In diesem Moment habe ich mehr Macht als die Blechkolosse die in der Reihe festgefahren sind.
Dieses Machtgefühl ist Labsal für meine Seele, ich bin frei und kreativ, ich kann mir den schnellsten Wege suchen, kann sie alle stehen lassen im Blechkäfig und hoffen das sie im eigenen Abgas verrecken. In der Zeit in der sie noch einen Parkplatz suchen bin ich schon fertig mit einkaufen und wenn sie endlich geparkt haben bin ich schon wieder zuhause *fg.
Im Austausch für die Leiden des Trainings bekomme ich eine Kondition die mir die Macht verleiht die andern stehen zulassen und schneller vorwärts zukommen.
Und irgendwie finde ich, dass sich das Leiden im Ende immer lohnt. ;-)

Veröffentlicht unter Velo | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kettenöl

Über Kurzem bin ich mit dem Velo inmitten der heftigen Regenfälle, von Zug nach Ermensee gefahren. Es regnete während der ganzen Fahrt. Als ich in Sins die Reuss überquerte, goss es wie aus Kübeln.
Heute bin wieder mit dem Velo von Ermensee nach Zug und zurück gefahren. Zu meinem Erstaunen quietschte weder die Kette noch ein anderer Teil des Getriebes. Normalerweise muss nach jedem Regen, das Velo gewaschen und frisch mit einem Schmiermittelspray eingesprüht werden. Da ich in Zeitnot war, habe ich mich ohne die übliche Velopflege auf den Weg gemacht.
Bei der letzten Getriebepflege, habe ich das ganze Getriebe und insbesondere die Kette, mit einem normalen Kettenöl eingeschmiert. Dabei bin ich nicht besonders sorgfältig vorgegangen. Ich habe, bis das Getriebe und die Kette tropften, Kettenöl aufgetragen.
Wiedereinmal wurde meine Ansicht bestätigt, dass der ganze Klimbim aus dem Velofachgeschäft unnützes Zeugs ist. In fasst jedem Velogeschäft, steht ein Ständer mit den verschiedensten Schmiermittel, deren gemeinsames Merkmal ist: Das sie sehr teuer sind und nur bis zum ersten Regenguss ihren Dienst versehen. Über ein Schmiermittel, dass mit den ersten Regentropfen, weggespült wird, lohnt es sich nicht einmal zu diskutieren.
Grundsätzlich gilt bei einem Velo: Es muss so lange getreten werden, bis man am Ziel ankommt. Einzig die Breite und Härte des Pneus und die Anzahl der Ritzel und deren Abstufung ist für die Dauer der Fahrt und die benötigte Mengen an Kraft relevant. Alles andere ist ein fauler Zauber. Ob nun Deore oder 105 oder Dura Ace auf der Schaltung und dem Velo geschrieben steht, ist nicht relevant. Hochpreisige Velos und Komponenten sind reine Prestigeobjekte, für Leute mit Minderwertigkeitsgefühlen und zu viel Geld.
Vor zwei Jahren bin ich mit einer Shimano Deore Schaltung über 13’000 Kilometer gefahren. Derjenige der mir beim Veloplus die Schaltung verkauft hatte, meinte das Sie nach spätestens 5000 Kilometer, das Zeitliche segnet.
Mit dem Ritzelpaket und der Kette, die momentan auf meinem Velo montiert sind, bin ich mehr als 15’000 Kilometer gefahren und das Getriebe funktioniert immer noch tip top.
Anstatt sich an einer sinnlosen Materialschlacht, der Wirkung gleich null ist zu beteiligen, lohnt es sich für die VelofahrerInnen viel mehr, die Landschaft und Natur zu geniessen.

Veröffentlicht unter Velo | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Doping: Was ist das?

Sein einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, was Doping ist. Die Aussage, dass Dopingsubstanzen, Stoffe sind, die es dem Körper erlauben, mehr zu leisten, als das Er momentan fähig ist, ist für mich keine logische Aussage.
Wenn ich hunger habe und etwas esse, fühle ich mich besser als vorher. Mit vollem Magen leiste ich mehr, als mit einem leeren. Auf einem 600-Kilometer-Brevet, wirkt ein frisches Brötchen, nachdem ich eine Nacht, pausenlos mit dem Velo gefahren bin, wie ein Wundermittel auf mich. Ich pedaliere leichter und spüre die Schmerzen weniger.
Dass ein Stoffe zu einem Dopingmittel wird, wenn er künstlich hergestellt wird, das kann es auch nicht sein. In den aktuellen Nahrungsprodukten der Lifestyle Industrie, befinden sich tonnenweise, künstliche Stoffe.
Der Übergang von Nahrungsmittel zu Doping ist ein fliessender. So recht ist für mich nicht zu ersehen, was Doping und was Kraftnahrung ist. Ich denke auch, das ein Sportler, der sich intensiv mit seiner Ernährung auseinandersetzt, einen anderen Dopingbegriff hat, als ein Normalbürger hat.

Veröffentlicht unter Doping | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sportsgeist

Mitmachen ist wichtiger als Gewinnen. Dies ist das alte olympische Motto. Der normale Zuschauer geht davon aus, dass dies Motto nach wie vor seine Gültigkeit hat.
Kalt, Brutal und Profitgeil ist die heutige Welt. Jeder denkt nur an seinen Vorteil und geht über Leichen, damit es ihm ein wenig besser geht. Die Ellbogengesellschaft hat eine kalte Fratze. Diese will aber keiner sehen, es ist üblich geworden, alles Negative mit einem Schleier schöner Illusionen zu zudecken. Der moderne Mensch möchte ungestört seinem Egoismus frönen können, ohne sich ein schlechtes Gewissen über sein Handeln machen zu müssen.
So ist es auch im Sport. Nur die Resultate zählen. Bei der Tour de France werden nur die Ersten, die Gewinner beachtet, die Verlierer gehen finanziell leer aus und keiner beachtet sie weiter. Die physische Leistung, die alleine das Fahren des Parcours der Tour darstellt, kann kein Normalsterblicher erbringen. Schon alleine das Mitmachen, zeichnet den Fahrer als absoluten Top-Athlet aus. Alle Fahrer erbringen diese ungeheurere Leistung, ob sie nun eine Stunde früher oder später die Ziellinie überqueren. Jedem Tourteilnehmer gebührt Hochachtung und Bewunderung.
Dem ist nicht so, in der Praxis zählt nur das Gewinnen und nicht das Mitmachen.
Längstens sind die Fahrer zu vermarktbaren Produkten geworden. Einzelne Fahrer werden zu Popstars aufgebaut, wie solche bezahlt und müssen immer Gewinnen. Der Aufbau eines Fahrers wie Jan Ulrich benötigt immense Summen an Geld, die gewinnbringend amortisiert werden müssen. Der Fahrer ist so wie ein Popsänger zum Hit, zum fortwährenden Gewinnen verdammt.
Der Fahrer wird unter Druck gesetzt, sodass er einfach Gewinnen muss. Er wird durch die ökonomischen Verhältnisse zum Doping gezwungen.
Dass er sich vom Geld hat verführen lassen, ist der einzige Vorwurf, dem man den gedopten Radstar machen kann.
Der Radsportler hat nur zwei Alternativen:
Entweder aus Liebe zum Velo Hobbyfahrer zu bleiben oder als Profi sich von den Idealen des Radsports zu entfernen.
Ein gedopter Radstar ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der er lebt. Alle sind gegen die Prostitution, keiner geht ins Bordell aber die Hurenhäuser werden von Tag zu Tag grösser. Damit ein Fahrer die verlangte Leistung erbringen kann, muss er dopen. Keiner will dies sehen oder akzeptierten, verlogen, wie unser Welt nun mal ist, empört sich der Zuschauer über das Doping, das er selber verlangt hat.

Veröffentlicht unter Velo | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar